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Tarifa Tanger 2007

22.10.2007
Wieder einmal Tarifa, als ob es die Flugpläne nicht anders ermöglichen würden, führt unser Weg auf die Kanaren jedes Jahr über Tarifa, dem südlichsten und sicherlich einem der windigsten Plätze Kontinental Europas.
Tarifa  Tanger 2007 | Soulrider.com


Nicht nur die absolute Windsicherheit, ideal für Starkwindliebende Windsurfer bei Levante, der starken Luftströmung vom Mittelmeer aus Richtung Atlantik und für Kitesurfer bei Poniente, dem Wind, der genau aus umgekehrter Richtung vom Atlantik aus durch die Straße von Gibraltar aufs Mittelmeer weht, sondern auch das unglaubliche, fast magische Ambiente, das immer noch idyllische Städtchen, welches im Jahre 710 nach dem Berber Tarif Ben Malik benannt wurde und täglich atemberaubende Sonnenuntergänge sind ebenfalls Gründe für die ständige Wiederkehr zur südlichsten Stadt Kontinental Europas.


Doch etwas sollte anders sein in diesem Jahr. Nachdem uns in den vergangenen Jahren der Levante bereits auf unserer Fahrt vom Flughafen Malaga Richtung Süden erwartete und die Fahrt spätestens ab den letzten Hügeln vor den Toren Tarifas erheblich erschwerte, wartete diesmal strahlender Sonnenschein und nicht der leiseste Hauch Wind auf unser, mal wieder mit zahlreichen Boardbags bepacktes, Gefährt.

Da die Wettervorhersage bereits vor der Abreise aus Deutschland ähnliches prophezeite, ließen wir unseren Transfer nach der Ankunft in Südspanien etwas gemächlicher angehen und genossen zum ersten Mal das Ambiente der Stadt Pablo Picassos und zweitgrößten Stadt Andalusiens, Malaga, die Durchfahrt durch Marbella mit dem riesigen Yachthafen, dem Blick auf den Felsen von Gibraltar von der Hafenstadt Algeciras aus und den gigantischen Ausblick auf den Berg Djebel Musa, eine der Säulen des Herkules, wie der Berg, den man auf dem Weg zwischen Algeciras und Tarifa an der gegenüberliegenden Marokkanischen Küste entdecken kann, benannt wurde.

Bei starkem Levante wird einem dieser Ausblick durch das dunstige Wetter verwehrt, aber die extrem klare Fernsicht verriet uns bereits vor der endgültigen Ankunft in Tarifa, das die Wetter und Windvorhersage leider Recht behalten sollte und wir wahrscheinlich nicht zum letzten Mal diesen Ausblick genießen würden, was den Tarifeños sicherlich entgegenkommen würde.

Während Windsurfer in Jubelschreie ausbrechen, wenn die ersten Anzeichen des Levante mit dunstigem Wetter, klappernden Fenstern und Türen und fliegendem Staub und Sand zu hören und sehen sind, freuen sich die Einwohner Tarifas und deren Küste nicht unbedingt über den Wind, der ihnen das Leben immer wieder aufs Neue erschwert, während der Poniente zuständig für klarstes Wetter und etwas kühlere Temperaturen ist und die gesamte Küste immer wieder in ein atemberaubendes warmes Sonnenuntergangslicht taucht und teilweise mystische Lichtstimmungen verursacht.

Wir allerdings würden lieber früher als später die Thunfisch Fischer, welche bei Poniente Tonnenweise Fisch an Land bringen, auf dem Wasser ablösen und dann auch hoffentlich mit den kleinsten Segeln. Nachdem uns der Levante in den Vorjahren in den Monaten Mai und Juni stets mit ausreichend Luftbewegung beglückte, kam es diesmal wie es irgendwann auch in Tarifa einmal kommen musste.

Die europäische Großwetterlage arbeitete kontinuierlich gegen das Entstehen des extremen Mittelmeerwindes, welcher erst auf der Atlantik Seite Tarifas volle Kraft entfaltet. Würden Windtänze oder eventuelle Windopfer dabei helfen, wenigstens etwas Wind für unser  „Improve your Skills“ Windsurf Event am Planet Windsurf Center in Bolonia, dem zweiten seiner Art, zu bekommen ? Schließlich war auch der aktuelle Freestyle Weltmeister Gollito Estredo eigens zu diesem Event angereist und löste ohne überhaupt auf dem Wasser gewesen zu sein eine Art Hype aus.

Glücklicherweise konnten die Tanzschuhe im Boardbag bleiben und eventuelle Windopfer blieben verschont, denn genau zum ersten Event Tag erbarmte sich der Levante, wehte an den ersten beiden Tagen mit idealer Stärke zum Einfahren und Eingewöhnen, um schließlich für ein paar Tage zu beweisen, weshalb die Tarifeños diesen Wind als sehr ungemütlich bezeichnen.

Gollito konnte diese Meinung nicht teilen und nach seinen täglichen Shows in Bolonia und an der Düne bei Tarifa, liefen die Rechner der spanischen Internet Foren heiß und der erst 18jährige Venezuelaner wird seither als Ronaldinho des Windsurfens bezeichnet. Nach nur fünf Tagen war diese sehr kurze Levante Periode wieder beendet, ließ aber wenigstens einen netten Swell zurück.


El Palmar, der kleine Küstenort gleich neben dem Windsurf Wellen Top Spot Caneos de Meca gelegen, wartete mit ungewöhnlich langen und sauberen Wellen auf, die zu extrem ausgiebigen Wellenreitsessions luden. Glücklicherweise funktionierte auch der Spot Balneario, der Stadtstrand Tarifas, auf Höhe der Militärzone und Halbinsel „Las Palomas“, an welchem man unglaubliche Abendsessions mit tollem Ambiente erleben kann und zusätzlich blieb uns die tägliche, einstündige Fahrt von Tarifa nach El Palmar erspart.

Mit abnehmendem Swell wurde es Zeit sich nach Alternativen umzusehen. Als große Hilfe hierbei erwies sich der Schweizer und Ex Windsurf Worldcupper Dr. Beat Stefan, der für ein paar Monate in seine Wahlheimat Tarifa zurückgekehrt war um sein neues Erfrischungsgetränk „Dwarf8“ auf den Markt zu bringen. Ohne ihn wären wir wahrscheinlich wieder aus Tarifa abgereist ohne einen Tagestrip nach Tanger erlebt zu haben.


Tanger oder Tangier, auch das Tor zu Marokko und damit das Tor zu Afrika genannt, liegt nur 40 Kilometer von Tarifa entfernt und ist mit der Super Fast Ferry FPS in nur 35 Minuten zu erreichen. 35 Minuten die einem wie eine Reise in der Zeit, besser in die Vergangenheit, vorkommen und dies nicht nur wegen der zwei Stunden Zeitverschiebung.

Kaum in Tanger angekommen ist der etwas langsame Lebens und Arbeit Rhythmus gleich deutlich zu spüren, wenn man einmal die ziemlich aufdringlichen Straßenverkäufer und angeblichen Reiseführer im Hafengebiet abgeschüttelt hat und in die Altstadt Tangers, die „Medina“ eintritt. Es sind nur ein paar Schritte, ein paar Schritte raus aus der Moderne und rein in die Welt aus tausend und einer Nacht. Bereits beim gemütlichen Frühstück im Cafe Tingis, einem der unzähligen Straßencafes, in den frühen Morgenstunden kann man das Erwachen der Medina, das Erscheinen der ersten Berber und das Öffnen der ersten Teppichläden und Basare in aller Ruhe genießen.



Glücklicherweise waren wir mit Dr. Beat unterwegs und konnten so den Araber Mohammed Alaoui kennen lernen, welcher uns mit einer Gastfreundlichkeit empfing, die wir so bisher nur selten erfahren hatten. Nicht nur das wir extrem viel über die Geschichte Marokkos und Europas erfuhren, zeigte uns Mohammed die wichtigsten und sicherlich nicht nur schönsten Ecken der Medina, Teppichwebereien, den orientalischen Markt und das moderne Tanger mit edlen Hotels und Bistros, um später zu einem ausgiebigen Essen in seinem Haus eingeladen zu werden.



Ohne Leute wie diesen Mohammed kann es sicherlich vorkommen, das Tanger nicht als nette und tolle Erfahrung wahrgenommen wird, wenn man ausschließlich in der Medina umherirrt, einen Teppichladen nach dem anderen besucht und dauernd von teils sehr aufdringlichen Straßenverkäufern belagert wird. Am besten man informiert sich bereits vor seiner Abfahrt aus Tarifa über gute Reiseführer oder Freunde in Tanger, um die Atmosphäre aus tausend und einer Nacht genießen zu dürfen.



Die Tatsache, das wir einen der besseren Windtage durch unseren Tanger Trip verpasst hatten, störte nicht sonderlich, denn die Erfahrungen die wir an diesem Tag sammeln durften würden sicherlich unvergesslich bleiben und zudem zeigte uns die Wetterkarte eine deutliche Windverstärkung für die kommende Zeit an.

Da die Deuter der Wetterkarten erneut Recht behalten sollten, konnten wir ein Phänomen erleben, welches wohl selten an anderen Windsurf Spots der Welt zu sehen ist. Zwei komplette Windtage mussten wir ausfallen lassen, da der Wind mit mehr als 65 Knoten über den Atlantik hämmerte, so dass selbst das Ufernahe Wasser auf großer Fläche abhob und vom Wind fort getragen wurde .

Ein paar Knoten Windgeschwindigkeit mehr und man wäre in den Bereich eines Tornados gekommen. Auch die Suche nach Ausweichspots erwies sich als äußerst schwierig. Selbst gute fünfzig Kilometer weiter westlich, normalerweise schwächt der Levante Richtung Westen deutlich ab, wurde nicht ein Knoten weniger Windgeschwindigkeit gemessen und die wenigen Locals, die es mit ihren 2,7er Segeln versuchten, mussten bereits nach den ersten Schlägen wieder passen. Caneos de Meca mit Wind und Welle und kaum einer geht raus, das hatte es wohl vorher auch noch nicht allzu häufig gegeben, denn bekannt ist der Ort nicht nur wegen seiner großen Höhlenlandschaft sondern auch als DER Wavespot an der andalusischen Küste schlechthin an welchem sich die Windsurf Elite Tarifa´s fast ausschließlich aufs Wasser begibt.

Erst als der Wind wieder etwas an Stärke verlor, waren wir in der Lage unsere Boards erneut zu wassern und uns bei immer noch sehr starkem Levante tagsüber in der Bucht von Bolonia auszutoben um gegen Abend zu einer gemütlichen Abendsession an der Düne vorbei zu schauen. Um die weitere Windentwicklung mußten wir uns keine Sorgen machen, denn die Feria, das Volksfest Nummer eins in Tarifa, stand vor der Tür. Zur Tradition der Feria gehört neben dem Pferdeeinmarsch, bei welchem hunderte Pferde aus der Region in Tarifa einmarschieren, das den Reitern regelmäßig die Hüte von ihren Köpfen geweht werden, denn der Levante läßt sich grundsätzlich zur jährlichen Feria blicken.

Am Tag mit dem 3,7er Segel übers Wasser donnern und in der Nacht zu kulinarischen Genüssen und späterem Feiern in  einem der diversen Party Zelte auf die Feria, da kommt die ebenso traditionelle Flaute zum Ende des Volksfestes ganz recht zur Regeneration. Wir wollten unsere Zeit nutzen um die kulturelle Vielfalt Andalusiens zu entdecken und so machten wir uns zuerst auf in die Stadt des Sherry´s, nach Jerez de la Frontera gefolgt von Mountainbiketouren durch die Naturparks rund um Tarifa, welche neben etlichen Höhenmetern auch außergewöhnliche Ausblicke auf die Küste zu bieten haben.

Wer etwas tiefer in die Historie Spaniens eintauchen möchte und wem es gefällt, der sollte die Fahrt in die Berge nördlich Tarifa´s, nach Ronda, nicht verpassen. Dort befindet sich die älteste und Traditionsgeladene Stierkampfarena Spaniens.

Um noch weiter in der Zeitgeschichte zurück zu reisen muß man sich nicht ganz so weit von Tarifa entfernen. Mit dem Baelo Claudia befindet sich in Bolonia die besterhaltene Ausgrabungsstätte aus dem römischen Reich. Beim, für Europäer kostenlosen, Rundgang durch die ehemalige wohlhabende römische Stadt, welche ihren Wohlstand durch Salzfisch Faktoreien und den Handel mit dem damaligen Mauretanien, vom Hafen Baelo´s liefen vor gut zweitausend Jahren die Handelsschiffe Richtung Tanger aus, erreichte bevor sie durch ein Erdbeben zerstört wurde, kann man einen sehr guten Eindruck vom Städtebau und Leben im römischen Reich erlangen.

Unzählige Windtage, neue kulturelle Eindrücke und Ausflüge die Zeitreisen gleich kamen ließen die Zeit verfliegen und bevor wir uns versahen befanden wir uns wieder auf der Autovia del Mediterraneo, der Mittelmeer Autoschnellstraße, entlang der Costa del Sol Richtung Flughafen Malaga um mit den Kanarischen Inseln ein weiteres Stück Spaniens zu erforschen. Ob es die Flugpläne ermöglichen oder nicht, auch im kommenden Jahr wird unser Weg auf die Kanaren von Deutschland aus wieder über Tarifa führen, denn bisher haben wir nur einen Bruchteil Andalusiens erleben dürfen und Tarifa ist sicherlich mehr als nur Wind – und Kitesurfen.


Balneario – Wellenreitspot direkt an der Halbinsel „Las Palomas“ an Tarifa´s Hauptstrand, zum       Windsurfen durch stark ablandigen Wind und starke Strömung bei Levante nur bedingt geeignet. Bei Südwind und Poniente läuft teilweise eine beachtliche Welle und der schräg auflandige Wind macht den Spot ungefährlicher

Rio Jara – Geheimtipp zwischen dem Hauptstrand Tarifa´s und Los Lances, an der Flußmündung des Rio Jara´s baut sich auch dann noch eine Welle auf, wenn es sonst überall Flach bleibt, zu fahren bei Levante sowie Poniente

Los Lances – der ewig lange Sandstrand, die Verlängerung des Stadtstrands Tarifa´s, mit etlichen Kitezonen, aber auch zum Windsurfen gerade bei Poniente sehr gut geeignet, dann auch teils mit recht hohen Wellen

Hurricane – etwas felsig und versteckt liegt der Spot direkt vor dem Hurricane Hotel und funktioniert sowohl bei Levante wie auch bei Poniente, dann auch häufig mit Welle. Vorsicht vor den Felsbrocken im Wasser, am besten kurze Info am Club Mistral Center einholen

Valdevaqueros / Düne – der Spot vor den beiden Windsurfcentern Club Mistral und Spin Out bekommt wohl die meisten windtage im Jahr, da sowohl Levante wie auch Poniente und Südwind sehr gut funktionieren und selbst an Flautentagen gegen Abend eine ausreichend starke Thermik einsetzt. Der Spot kann teilweise sehr voll werden, sowohl durch Wind wie auch durch Kitesurfer

Bolonia – Im Naturpark gelegen befindet sich die riesige Sandbucht von Bolonia, Windsurfen ist direkt vor dem Planet Windsurf Center am Ostende der Bucht erlaubt. Bolonia funktioniert am besten bei Levante, teilweise, vor allem im Winter, läuft eine der schönsten Wellen an dieser Küste in die Bucht von Bolonia

Caneos de Meca – ca. 50 Kilometer von Tarife Richtung Westen entfernt befindet sich der Wavespot. Über einem Riff brechen sich die besten Wellen zum Windsurfen zwischen Tarifa und Cadiz, aufgrund der teils scharfen Felsplatten im Wasser ist der Spot Wellen unerfahrenen Windsurfern nicht unbedingt zu empfehlen

El Palmar – Noch bessere Wellen laufen in der Nachbarbucht von Caneos de Meca, in El Palmar, allerdings dreht der Wind dort selten Richtung Strand und ist somit eher Wellenreitern vorbehalten

Getares – von Tarifa aus Richtung Algeciras kommt man am Strand von Getares vorbei. Bei zu starkem Levante auf der Atlantik Seite kommt man hier hin und wieder mit Welle zum Windsurfspaß, allerdings dreht der Wind nicht immer in die Bucht

Sotogrande – ebenfalls zu empfehlen wenn der Levante in Tarifa mal wieder für die 3,0 Segel weht. Teilweise baut sich eine sehr schöne und auch große Welle auf. Je nach Levante Richtung kommt der Wind zu auflandig und Wind und Shorebreak machen ein rauskommen zur Expertensache

 Palmones – Der Spot liegt zwischen Algeciras und Gibraltar. Wen es nicht stört das hin und wieder ein Supertanker oder Frachtschiff den Weg kreuzt, der findet eine gute Alternative für extremen Levante in Tarifa vo


Von den meisten deutschen Flughäfen aus nach Malaga oder Jerez de la Frontera mit LTU, Airberlin, TUIfly, Condor, Hapag, FlyNIKI und etlichen Billig Airlines.
Der weitere Transfer von Malaga aus ca. 2 Stunden nach Tarifa entlang der Costa del Sol, von Jerez de la Frontera ca. 80 Minuten Richtung Tarifa.


Sensationelles Preis Leistungs Verhältnis : Einfache Unterkünfte, Häuser, WG ähnliches wohnen, incl. Mietwagen oder Carsharing sowie Windsurf und Kite Verleih, Schulung und Events bei   www.dengs-funsport.de

Nobler wohnt man im Hotel „Dos Mares“, aber auch um einiges teurer. Die Windsurf und Kiteschule befindet sich dort direkt am Hotel

Hotel Hurricane, ebenfalls etwas teurer und in Verbindung mit einem der beiden Club Mistral Windsurf Center

Text & Fotos :

Tom Brendt
www.tom-brendt.de




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