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Definitiv auch ein Trip für
Nostalgiker, denn hinter Mailand zeigt sich Italien seit Jahrzehnten
unverändert. Auf dem Weg durch die Berge zum Mittelmeer finden
sich nach wie vor dieselben, liebevoll eingerichteten Baustellen,
die schon vor 10 Jahren die Streckenführung bereicherten und
keine Langeweile aufkommen lassen.
Leider hatten die Fährpreise etwas angezogen, und so fanden wir
uns auf einer relativ leeren Fähre wieder, lediglich ein Reisebus
mit deutschen Rentnern geriet beim Einlaufen in den Golfo di Aranci
vor Olbia bei jeder kleinen Insel in Verzückung, weil sie eben
jede noch so kleine Insel für Korsika hielten….
Korsika selbst war tatsächlich vom Norden Sardinien aus bei dem
strahlenden Sonnenschein gut zu erkennen, insbesondere auch der Schnee,
der dort noch auf den Bergen lag. Anfang Januar war der Verkehr auf
Sardinien völlig zum Erliegen gekommen, nachdem es sogar bis
an die Strände Schnee gegeben hatte. Deswegen hatten wir uns
auch auf relativ frische Temperaturen eingestellt, und das Wasser
war auch durchaus belebend. Allerdings gab es bei unserer Ankunft
auf der Insel Postkartenwetter, strahlend blauer Himmel ohne jede
Wolke, mit Temperaturen für Shorts und T-Shirt, jedenfalls tagsüber.
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Erster Anlaufpunkt war für uns Porto Pollo
im Norden, bzw. der am westlichen Ende der Bucht gelegene Porto Liscia.
Pünktlich zu unserer Ankunft setzte auch der Wind ein, und mit
10.9 gut angeblasen ging es dann hinter Lotsen Vincent kreuz und quer
durch die Buchten und Inselwelt der Galura, quasi zum Warmfahren…
Thomas fügte sich inzwischen auf seiner Vespa in das italienische
Inselleben ein und war bemüht, den Respekt und Anerkennung der
örtlichen Dorfeinwohner von San Pasquale wiederzugewinnen, der
nur Langzeiturlaubern, die quasi schon fast eingebürgert werden
durch nicht mehr als ein Kopfnicken des Wirtes beim Bestellen des
Cappuccinos entgegengebracht wird.
Dem Inselrhythmus hatten wir uns schnell angepasst, was bedeutete,
sich an der Sonne zu orientieren, Also Aufstehen bei Sonnenaufgang
gegen halb 7, und Schlafenszeit gegen spätestens 20:00 Uhr.
Das 11er Segel passte im Zweifelsfall immer, während die Freestyler
meist im Stop und Go Verkehr unterwegs waren. Für uns perfekt,
um verschiedene Finnen und Trimmmöglichkeiten zu testen.
Der erste Flautentag war daher nicht weiter schlimm,
strahlte doch weiterhin die Sonne am wolkenlosen Himmel genug Möglichkeiten,
die Landschaft im Hinterland zu erkunden. Die beeindruckenden Felsformationen
bei Palau, mit einem traumhaften Blick über das Magdalena Archipel,
oder die Tombi di Giganti, die Gigantengräber im gebirgigen
Hinterland, die nur über eng verwundene Serpentinenstrassen
zu erreichen sind, und an denen man sich bei Sonnenuntergang in
der Stille der Landschaft in der Zeit zurück versetzt fühlt. |
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| Müllsammeln am Strand von
Porto Liscia ist eine weitere Alternative. Unglaublich wie achtlos
vermutlich auch die Einheimischen, dem Müll nach zu urteilen,
mit ihrer Landschaft umgehen, und traurig zu sehen, wie wenig die
Leute sich bemühen, mit ein wenig Aufwand, alles so zu hinterlassen
wie sie es vorgefunden haben.
Mehr als einen Tag Flaute im Norden wollten wir uns nicht geben
und machten uns klammheimlich auf in Richtung Südosten. Nach
1,5h Fahrt zeigten Schaumkronen an einem einsamen Strand südlich
von San Theodoro, das unsere Entscheidung richtig war. Ziemlich
ruppige Bedingungen vor dem mit Pinien bewachsenen Strand für
die Kursrennboards, auf traumhaften Wasserfarben im Wechselspiel
von Sonne und Wolken. Wir hatten die Bucht für uns allein,
also wäre SOS funken sinnlos gewesen, so blieb nur, hinter
Vincent herzufahren und halbwegs den Kurs zu halten.
Nach einem ziemlich anstrengenden Tag kam dann der
nicht ganz einfache Versuch, eine offene Pizzeria zu finden. Irgendwie
hatte man den Eindruck, Sardinien wäre eine Woche vor Ostern
noch komplett chiuso, geschlossen….Letztlich verhalfen aber
die Ortskenntnisse von Thomas uns einen Ort weiter zu einem kleinen
Laden direkt am Strand, und als einzige Gäste des Abends sorgten
wir für gewaltige Umsatzsteigerungen. Insbesondere Vincent
zeigte, dass er nicht nur auf dem Wasser fix unterwegs ist, auch
seine Zeiten beim Pizza vertilgen dürften rekordverdächtig
sein, genauso wie seine Schlaforgien…. |
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| Auch am nächsten Tag blieb die
Bucht unser alleiniger Spielplatz, allerdings mit noch mehr Wind,
der für viele lustige Abgänge beim Freestyle sorgte. Trotz
eines langen Tages auf dem Wasser starteten wir erneut den Versuch,
im nahe gelegenen Ort eine Pizzeria zu finden. Auch hier zeigten
die Italiener kein Erbarmen mit unseren knurrenden Mägen sondern
wiesen auf die – für unsere Verhältnisse –
späten Öffnungszeiten hin, was für uns eine halbe
Stunde Wartezeit bedeutete. Thomas wurde von seinem unfehlbaren
Spürsinn zum kleinen Metzger und Lebensmittelladen des Dörfchens
geleitet. Der war so begeistert über die unerwartete Gesellschaft,
das er über alle Sprachbarrieren hinweg gleich den Hauswein
und kurz darauf auch den selbstgebrannten Grappa hinter der Theke
hervorzauberte um mit uns Brüderschaft zu trinken. Das nennen
wir Kundenservice!
Die kurzzeitig eingetretene Flaute – trotz komplett
leer geputzter Teller, nutzen Vincent und ich als Flautenkönige
für einen Touritrip zu einer der beeindruckenden Grotten an
der Küste, immer der nicht vorhandenen Beschilderung nach….
und quer durch die Pampa wieder zurück. Da trotz aller Beschwörungen
dennoch kein Wind einsetzen wollte, trennten sich kurzzeitig unsere
Wege, Vincent fuhr in Richtung Norden, wo er seine neuen Racesegel
direkt an den Strand geliefert bekam. Ich vertraute auf der Suche
nach Wellen in die Prognosen der lokalen Surfer, die es in Richtung
Südwesten zog. Über den bekannten Wavespot Capo Manu,
das allerdings flach wie ein Ententeich dalag, ging es nach einem
langen Abend mit Sarden, die ich von früheren Aufenthalten
kannte, in die äußerste Südspitze Sardiniens, nach
Chia…immer den mit Surfboards beladenen Autos mit einheimischen
Kennzeichen hinterher. |
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Auf den Brackwasserseen
von Cagliari waren die dort überwinternden Flamingos durch den
zunehmenden Wind stark gefährdet, weggeblasen zu werden. Und
auch die Sonne strahlte mit den Surfern um die Wette, so dass sich
sogar die Einheimischen im Windschatten der Dünen in Shorts an
den Strand wagten.
Wobei an dieser Stelle kurz darauf hinzuweisen wäre,
dass der Unterschied zwischen einheimischen und „nordeuropäischen“
Surfern stets auf den ersten Blick zu erkennen ist; während unsereins
schon entspannt im Kurzarm auf dem Board steht, ist der sardische
Surfer immer noch damit beschäftigt, sich in die 3te Schicht
Neopreneanzug zwängen, meist noch mit einer Sturmhaube komplettiert..
Aber in Chia gab es sogar Sarden im Kurzarm auf dem Wasser zu sehen,
und mit unglaublichen Wasserfarben und traumhafter Kulisse war 5.3
mehr als ausreichend groß für sportliche Betätigung,
während Vinc aus dem Norden zunächst viel Regen und wenig
Wind, und danach noch mehr Regen mit viel Wind vermeldete.
Der einzige Haken am Trip nach Chia war der Rückweg
quer über die Insel, die Streckenführung auf Sardinien wird
nur noch von der (fehlenden) Beschilderung übertroffen, muss
man erlebt haben, sonst glaubt man es nicht… Allen Widrigkeiten
und Schafherden auf der Autobahn zum Trotz war Rena Maiore, im Nordwesten
der Insel unser Treffpunkt und Spielplatz für den nächsten
Tag. Nette Weißwasserwalzen, dazu schräg auflandiger Wind
und, um den Schwierigkeitsgrad nochmals zu erhöhen, üppig
Felsen entlang des Strandes, also eher suboptimale Bedingungen, die
außer uns auch nur wenige in Angriff nahmen. |
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Zudem wurde unsere Verlustliste täglich
länger. Am Wohnmobil von Thomas hatte bereits in Budoni die Markise
ihren Dienst quittiert, auf dem Weg nach Rena Maiore ereilte die Trittstufe
ein ähnliches Schicksal, wie auch die Bordbatterien. Das Waveboard
von Vinc wurde von einem fröhlich über den Strand fliegenden
italienischen Segel als Landesplatz auserkoren und das Unterwasserschiff
neu gestaltet, was auch unsere Session in Rena Maiore beendete. Dazu
nahm auch der Verbrauch an Voltaren erheblich zu, Knie bei Vincent,
Arm bei mir, was uns aber nicht davon abhielt, uns am Nachmittag noch
in Porto Liscia mit dem Freestyler bis zur Dämmerung weitere
Blessuren zuzufügen. |
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| Da war der nächste sonnige Tag
schon fast ruhig, nur Kursrenner mit dem 11er Segel, etwas böig,
aber immer noch gut genug, um stundenlang durch die Buchten zu fahren
und dabei das neue Material einzustellen, was besonders Vinc scheinbar
ganz gut gelang, jedenfalls fuhr er eindeutig die besten Rundenzeiten
des Tages. Gegen Ende des Trips gab auch Sardinien noch mal wettertechnisch
alles und verabschiedete uns mit grandiosen Sonnenuntergängen…..und
entgegen unserer Befürchtungen drehte auch in der Nacht von
Samstag auf Sonntag die Fähre nicht bei, als der Papst starb.
Entsprechend leer und ruhig war Italien auf dem Rückweg…..
Bis bald auf heimischen Gewässer!
Vinc & Chris / http://www.windsurfteam.de/
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