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Sardinien, 07.-23.04.2006
03.05.2006
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Wenn Sardinien gut genug für Jürgen Klinsmann und seine Jungs zur
Vorbereitung auf die WM ist, dann sollte es auch gut genug für das
Windsurfteam zur Vorbereitung auf die Saison im Deutschen Windsurfcup sein, dachten sich Christian Opitz, Denis und Chris Hafer.Zumal der Winter in unseren Breitengraden kein Ende zu nehmen schien, lockte die Insel im Mittelmeer mit surfbaren Bedingungen.
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| Allerdings gestaltete sich zunächst
das Beladen der Fahrzeuge angesichts der Materialberge als nicht
ganz leicht zu lösende Aufgabe. Speziell Christian und
Denis
könnten eigtentlich bei Gottschalk angemeldet werden, nach
dem Motto: "Wetten dass wir es schaffen, 13 Boards und
doppelt soviele Riggs in einen Renault Traffic zu packen?"
Gut, dass bei den Grenzkontrollen niemand auf die Idee kam,
unvorsichtigerweise die Türen zu öffnen, es hätte
Lawinengefahr bestanden.
Das Gute an dem vollgepackten Fahrzeugen war, dass keine Skisachen
mehr Platz fanden, sonst hätte Denis sicherlich auf mehreren
Zwischenstopps entlang der Route bestanden. So hatten die beiden
nur mit den Tücken der Technik an den italienischen Mautstationen
zu kämpfen, schafften es aber nach mehreren Anläufen
doch bis ans Mittelmeer. |
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Für alle Anhänger kreativer Streckenführung sei
ab Mailand die A7 Richtung Genua empfohlen, die Route durch den
Apenin stellte die ein oder andere Herausforderung an die Suche
nach der Ideallinie durch die Kurven, gespickt mit zusätzlichen
Schwierigkeiten wie nur geringfügig beschilderten Baustellen.
Erster Stopp auf dem Weg zur Fähre war Pisa, wo uns bereits
frühlingshaftes Wetter begrüßte. Auch der Turm
war noch nicht umgefallen, und so ging es das letzte Stück
zur Einschiffung nach Livorno. Die Fährüberfahrt verlief
- abgesehen von einigen singenden Italienern - relativ ruhig,
und genauso ruhig begann auch der erste Tag auf der Insel, auch
wenn man sich zunächst an die Fahrweise auf der
Insel gewöhnen musste und Erfahrung auf sardischen Strassen
sowie
italienische Auslegung der Verkehrsregelung klare Vorteile brachten.
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| Da vor unserer Abfahrt in
erschreckend übereinstimmender Weise die Online Wetter-
und Winddienste ruhiges frühlingshaftes Wetter mit Windmeldungen
im einstelligen Knotenbereich gemeldet hatten, war die Hoffnung
zunächst nicht sehr groß, sofort aufs Wasser zu gehen.
Allerdings auch nicht unbedingt schlimm, da gemäß
dem "just in time" Prinzip die Racesegel von Christian
und mir von ziemlich gehetzt wirkenden UPS Boten unmittelbar
vor unserer Abfahrt angeliefert wurden.
So blieb also Zeit das Material vorzubereiten.
Als man sich grade auf einen entspannten sonnigen Nachmittag
einstellen wollte, zeigten sich - entgegen allen Vorhersagen-
Schaumkronen in der Bucht von Porto Pollo. Im Westteil der Bucht,
Porto Liscia eingetroffen, war 7.4 und Slalomboard schon eine
relativ sportliche Angelegenheit. Als der Wind gegen Abend dann
etwas abnahm, konnten wir noch einmal das Kursrennmaterial zu
Wasser lassen, bis sowohl Dunkelheit als auch Müdigkeit
uns zum Esssen trieben. |
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| Der nächte Tag begann
- gemäß den Vorhersagen - windstill. Also blieb die
Hoffnung auf ein wenig Thermik am Nachmittag, um zumindest mit
den großen Segeln aufs Wasser zu kommen. Da aber in Italien,
und insbesondere Sardinien, sich niemand so Recht an Regeln
und Vorschriften hält, und damit auch der Wind nicht unbedingt
an Vorhersagen, waren wir gegen Mittag mit dem Freestyleboard
und 4.7er Segel ziemlich gut beschäftigt.
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Zudem legte der Westwind eine Nachtschicht
ein, so dass wir uns am nächsten Morgen auf den Weg an
Sardiniens Nordküste machten, wo der erste Blick aufs Wasser
nicht so recht in die Vorstellung vom beschaulichen Mittelmeer
passte. Die Wavespots liegen wie an einer Perlenkette aufgereiht
entlang der Strecke, und so konnte man sich von der jeweiligen
Bespielbarkeit des Platzes relativ schnell erzeugen. Da Rena
Maiore zu auflandig war und Vignola einen Shorebreak der sich
locker mit der Sylter Konkurrenz messen konnte aufwies, setzten
wir auf die Geländefähigkeit unserer Fahrzeuge und
nahmen die Stichstrasse nach Marina delle Rose. |
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| Dort hatten sich einige "Sehleute"
versammelt, um von der Steilküste auf das Geschehen in
der Bucht hinabzublicken, die Ähnlichkeit mit einem Abenteuerspielplatz
hatte. Aufgrund der Bedingungen konnte man nicht unbedingt von
Gedränge auf dem Wasser reden, und so erkundeten Denis
und Chris die Bucht und auch den in Lee liegenden Shorebreak
nebst einsamen Strand, gelangten nach einigen Schwimmeinlagen
aber dann doch wieder an den Ausgangspunkt zurück.
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Auf dem Rückweg wurde
noch ein Zwischenstopp in Porto Liscia eingelegt, wo das 4.2er
mehr als groß genug war, und Denis mal die Flugfähigkeit
seines Materials auch ohne ihn ausgiebig und mit erstaunlichen
Resultaten testete. Christian verletzte sich an der Schulter,
vermutlich um in den Genuß der Untersuchung durch eine
vor Ort niedergelassene surfende deutsche Ärztin zu kommen,
oder auf diesem Wege an rezeptpflichtige Mittel zu gelangen,
jedenfalls machte er in der Folgezeit einen sehr entspannten
Eindruck...
Nach dem Motto täglich grüßt das Murmeltier
wirkte der nächste Tag wie eine Wiederholung des vorigen,
windig und sonnig. In Marina delle Rose angekommen waren die
Bedingungen allerdings von selektiv auf relativ entspannt
zurück, und da auch Christian wieder einsatzfähig
war, waren wir zu dritt auf dem Wasser und hatten Spaß.
Auf dem Rückweg lohnte sich der Abstecher an die Nordpitze
Sardiniens, Capo Testa, mit seinen wilden Felsformationen
und dem Blick auf Korsika.
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| Langsam hatten wir auch den
Glauben an die meterologischen Fähigkeiten der Wetterdienste
verloren, was aber nicht weiter schlimm ist, wenn man stets
positiv überrascht wird. Um es vorwegzunehmen, es sollte
bis zum Ende des Trips so bleiben, dass stets deutlich mehr
Wind als vorhergesagt war. Unsere Empfehlung daher, anstelle
von altüberlieferten Windtänzen oder -opfern, einfach
den Wagen voll mit Leichtwindmaterial laden und die Priorität
klar auf Kursrennen legen, wirkt bestimmt! |
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| Allerdings kamen wir zeitweise
doch noch dazu, unser Racematerial abzustimmen, meist spät
abends oder früh morgens, oder zumindest solange bis man
froh war, doch handlichere Segel nehmen zu können.
Per GPS gemessen konnte man am Ende des Tages auf Topspeeds
um 56km/h und einige Kilometer an Trainingseinheiten blicken,
viel wichtiger aber die Erkenntnisse beim Testen der Finnen
und der Einstellung des Materials, und da hatten wir ja einiges
dabei zum Testen. |
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Wenn der Wind statt aus der üblichen westlichen Richtung
kam, sondern lediglich eichter Wind aus Ost in Porto Pollo ankam,
lohnte sich ein Locationwechsel; nach 60km Fahrt zeigten sich
südostlich am Traumstrand von La Cinta bei S.Theodor bereits
wieder Schaumkronen, und die Isola di Tavolara mit ihren Wolken
erinnerte stark an den Tafelberg in Kapstadt als Kulisse. Alternative
bei Westwind bleibt die Fahrt quer über die Insel, vorbei
an durchaus sehenswerten Brunnentempeln und rätselhaften
Nuraghen, an die Westküste, an die Wavespots rund ums Capo
Manu.
Chris machte sich auf den Weg, und während Christian und
Denis in Porto Pollo it Slalom- und Freestylematerial auf glattem
Wasser fuhren, kamen pünktlich zur bendsession die ein oder
andere nette Welle aufs Riff vor Funtana Mega gerollt, epaart
mit Sideoffshore Wind von rechts und grandioser Kulisse vor den
punisch-römischen Ruinen von Tharros. Wenn da nicht immer
dieser starke Verkehr auf Sardinien wäre... |
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| Aber lokalen Gegebenheiten
muss man sich anpassen, und immerhin ist der Wagen nach der
Durchfahrt einer sardischen Waschanlage, sprich einer Schafsherde,
relativ sauber, zumindest soweit die Schafe kamen. Angesichts
der durchweg eher rustikalen Stichstrassen zu den Spots eine
eigentlich ganz praktische Angelegenheit. |
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Erst am letzten Tag schwächelte
der Wind etwas, was angesichts der Aufgabe, die Materialberge
wieder in den Fahrzeugen zu verstauen vielleicht auch nicht
das schlechteste war. Und den Weg zur Fähre kann man entlang
der Küste quasi beliebig ausdehnen, "Beach-Hopping",
jede Stunde ein anderer Traumstrand....bis nur noch blieb, etwas
wehmütig einen letzten Cappucino im Hafen zu trinken und
sich von der Insel zu verabschieden, bis zum nächsten Mal
jedenfalls. 4000 km, 13 Boards, 30 Segel, 12 Tage Wind, 13 Tage
Sonne, ungezählte Strände, so die nüchterne Statistik
einer ziemlich perfekten Tour nach Sardinien. Dahinter steckt
jedoch bereits die Vorfreude auf die nächste Tour, in der
Gewissheit, das noch soviel zu entdecken bleibt...
Bis dahin, viel Spaß auf dem Wasser!
by Chris H. http://www.windsurfteam.de/
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