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Marokko - Sidi Saouki - 2007 - 2. Teil
27.07.2007
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Aller Anfang ist schwer...
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Bezugnehmend auf den ersten Teil meines Marokkoberichtes ist eben doch nicht alles so einfach und „easy“ wie in der Schweiz noch gedacht. Alleine schon die Hinreise gleicht einem Hindernis-Parcours: Boardbag-Check-In problemlos (und kostenlos…), Abflug in Zürich mit Verspätung, entsprechend auch Landung in Casablanca mit Verspätung. Grosser Nervenkitzel infolge kurzer Umsteigezeit zum Weiterflug nach Agadir.
Also rennen – nur wohin, wenn man sich der arabischen Sprache nicht mächtig ist und beim Französisch-Unterricht in der Schule einen Fensterplatz hatte? Die Zeichensprache und hilfreiches Englisch weisen einem dann aber den Weg und rein nach Flugplan hätte ich eigentlich dem Flieger nach Agadir nur noch beim Starten zuschauen können – vom Land aus wohlgemerkt, nicht als Passagier.
Doch eben, hier laufen die Uhren anders, weshalb die ganze Rennerei überflüssig war und ich mich auf ein langes Warten einstellen konnte. Eine Zeitrechnung meinerseits ergab, dass wenn ich mit einem gedopten (das Zeugs hätte ich bestimmt an der Tour-de-France bekommen…) und Red-Bull getränkten Kamel von Casablanca aus losgerannt wäre, ich dann vor dem Flieger in Agadir angekommen wäre.
Nun gut, alles nimmt ein Ende (so ein Satz schreibt man normalerweise am Ende eines Berichtes…), so auch bei mir. Als letzter Passagier durfte ich dann doch auch noch meinen unbeschädigten Boardbag entnehmen und endlich den Schritt in die windige Welt von Marokko wagen – schliesslich wartet ja mein Taxi draussen vor dem Flughafen, welches mich nach Sidi Kaouki bringt. Sollte warten…!!!
Beim heiligen Allah und all seinen Jungfrauen, hat sich dieser Kamelmisthaufen von einem Taxifahrer doch tatsächlich bereits aus dem Staub gemacht! Ob er überhaupt jemals da war? Es sei vielleicht erwähnt, dass mittlerweilen ca. 02.00 Uhr morgens war und sogar auch die letzten Sicherheitsleute vom Flughafen ihre Nachtruhe eingeläutet haben… Glücklicherweise gibt es hier so viele Taxis, so konnte ich nach fast 40 minütiger Dachträger-Montage und Verhandlungsgesprächen (ich gebe Dir Geld, Glaube und Frieden, Du gibst mir Fahrt nach Sidi…) das heilige Flughafen-Areal verlassen und den mühsamen Weg nach Sidi bestreiten.
Meine Müdigkeit liess mich zu glauben, dass ich auf der Fahrt zum Silvaplanersee war – wer den Julierpass mit all seinen Kurven kennt, weiss wovon ich spreche. Etwa so präsentieren sich nämlich die letzten Ausläufer des Atlas-Gebirges. Als dann mein Chauffeur nach ca. 5maligem Anhalten noch beichtete, er sei jetzt müde, so fühlte ich mich auf der Rücksitzbank des ca. 30jährigen Mercedes so richtig wohl… Viel habe ich von der über 3 stündigen Fahrt definitiv nicht mitbekommen, erst die aufgehende Sonne liess mich wissen, dass wir langsam dem Ziel näher kommen. „12 km bis nach Sidi Kaouki“ – ich liebe dieses Strassenschild! Willkommen in der Windmühle Marokkos.
Da ich mit Felix von der Surfstation vereinbart habe, dass er für mich einen Schlafplatz organisieren würde – er aber nicht vor Ort war, durfte ich dann doch noch 2 Stunden auf meinem Boardbag ausruhen, bevor die Sonnenstrahlen auch die letzten Langschläfer aus den Federn holten.
„Auf den ersten Streich folgt der zweite meist sogleich…“ Was tun in dieser „toten“ Zeit zwischen aufstehen und hoffentlich bald surfen? Genau, sich in der Gegend einmal vertraut machen und evtl. Schlafplätze besichtigen, falls das mit der „Notschlafstelle“ bei Felix nicht klappt. Grossen Mutes schritt ich also zum nächstgelegen Hotel, nahm Bekanntschaft mit zwei mehr oder weniger wilden Hunde auf (knurr… ich knurrte zurück, fletsch… ich fletschte zurück…) und wo ich dann das Eingangstor zum Hotel öffnen wollte, machte es „knurr, fletsch und vor allem „autsch“ – hat mich diese Bestie von Möchtegern-Wachhund doch einfach in die Waden gebissen.
Bin ich denn der Briefträger oder was? Auf jeden Fall war ich jetzt ab sofort ein blutendes erst soeben angekommenes Bleichgesicht, welches stotternd dem Hotelbesitzer klar machen wollte, dass Allah seinen Hund wohl zum Teufel schicken wird.
Ein bisschen Blut schadet niemandem – na ja, SMS mit den Eltern und ein Telefongespräch mit der medizinischen Notfall-Auskunft meiner Krankenkasse machten mich auf das Gegenteil aufmerksam. Nachdem mir dann mein Vater auch noch klar machte, dass kürzlich an einem bekannten ehemaligen Skifahrer infolge eines Hundebisses (war es die selbe Bestie?) das ganze Bein geöffnet werden musste, war auch für mich klar, dass ich meine Stadtbesichtigung in Essaouria ein paar Tage vorziehen sollte. Ausser ein paar Kamele, Hunde, Ziegen und Windsurfer gibt es in Sidi nämlich nicht viel mehr – vor allem keine Ärzte für eine Starrkrampfimpfung…
Die Länge dieses Berichtes zeigt mir, dass ich jetzt eigentlich längst aufhören sollte zu schreiben, aber diese kleine Impf-Geschichte muss einfach noch erwähnt werden:
Fahrt mit dem Taxi von Sidi nach Essaouira zum Stadtspital. Bei der Notfall-Entgegennahme – nur unmittelbar neben der schreienden Geburts-Abteilung (kommen die Mädchen eigentlich mit oder ohne Kopftuch zur Welt?) – bekam ich statt 2 Spritzen einen Zettel mit irgendwelchen arabischen Zeichen in die Hand gedrückt sowie eine Adresse, wo ich diese Schrift in Realität umsetzen sollte. Mein Taxi fuhr dann zu – sage und schreibe – 4 Apotheken, welche alle mit dem Finger auf die anderen Apotheken weisten und mich einfach nicht behandeln wollten. Das Geheimnis lag eben darin, dass ich zuerst zum B.M.H. (Bureau Municipale de Hygiénic) fahren musste, mir dort ein weiteres Schreiben für den Kauf von 2 Plastikspritzen geben liess, welches mich dann berechtigte, in einer der vorher 4 genannten Apothken diese auch zu kaufen.
Mit diesen beiden Spritzen ging ich dann wieder zurück zum B.M.H., wo mir die liebe Dame diese sanft und „très très lentement“ in die Arme presste. Interessant war übrigens auch die Frage der Medizinerin, ob ich mit einer Spritze gegen „Rage“ einverstanden war. „Rage“… moment einmal, hatte ich in der Schule nicht gelernt, dass Füchse, Hunde, etc. gegen „Rage“ – nämlich gegen Tollwut – geimpft würden? Inshallah! Jetzt wurde ich auch noch als tollwütiger Hund angeschaut. Ein weiteres Gespräch mit der Medi-Notfallauskunft brachte jedoch Klarheit und „Rage“ sei gleich zu verstehen mit „Starrkrampf“ – zumindest hier in Marokko.
Egal, ich bin jetzt wahrscheinlich gegen alles immun – wahrscheinlich auch, wenn mir ein Kamel seinen Haufen mitten auf die Birne drückt. Ah ja, obiges Prozedere – in leicht abgeschwächter Form – darf ich in genau 1 Woche nochmals wiederholen – wir wollen ja schliesslich immun bleiben…
Eigentlich bin ich ja zum surfen hier… Deshalb sei noch nebenbei gesagt: Nachdem der wind von Südwest auf die richtige Seite Nordwest gedreht hatte und die Wellen in einer Ausnahmeerscheinung zwischen 2 und 2 ½ Meter hoch waren, genoss ich mit einer handvoll anderen Surfer dieses hammermässige Surfrevier.
Das 4.7ner Segel war genau richtig (in den Tagen zuvor hätten sie nur 3.7 und 4.0 gefahren), das Waveboard ist hier sowieso Standart. Einfach geil, wenn man Platz in Hülle und Fülle hat und man wirklich jede Welle abreiten kann, ohne dass einem jemand zuvor gekommen ist (vorausgesetzt, man erwischt diese Wellen auch, aber ich arbeite daran… ? )
Ein Abendessen in der Surfstation im sehr kleinen Kreis rundeten diesen erlebnisreichen Tag ab und weil praktisch kein Alkohol getrunken wird (in der Theorie zumindest) lässt man sich eben mit marokkanischem Tee vollaufen….
P.S. Aufgrund der sehr langsamen Verbindung ist es mir zur Zeit nicht möglich, Bilder zu senden. Ich werde dies jedoch nach meiner Rückkehr nachholen bzw. sollte es dennoch mal noch funktionieren, Euch diese halt dann später zeigen.
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Kommentare zur News-Meldung
| die lieben Eltern... | ei ei ei, das sind Worte! Aber meine Mutter ist halt doch die beste! hihi... | | Bombo, 02.08.07 - 14:25 |

| | Marokko - Sidi Saouki - Hundebekanntschaft | Lieber Bombo
Man sollte halt nicht immer sofort mit jedem läufigen und nichtläufigen Hund Kontakt und Freundschaft schliessen. Wie oft haben wir Eltern dir das schon gepredigt - aber wie bisher - immer ohne Erfolg. Und dass du dich erst via Spital aufgerafft hast, nachdem dir dein Vater per Telefon (nachdem deine Mutter nach deinem Notfall-SMS schon ein halbes Herzchriesi hatte)ganz gehörig die Leviten gelesen hat, hast du natürlich prima verschwiegen. Jäh nun, wer nicht hören will, der muss fühlen. Also lieber Sohn, benimm dich jetzt für den Rest der Marokko-Ferien anständig und erinnere dich an deine Erziehung. So werden die kommenden Tage ungetrübt für dich sein! Weiterhin viel Wind, Wellen und Fun.
Bombo-Mother | | Romy, 29.07.07 - 15:54 |

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