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Marokko Bericht Part 3
09.08.2007
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Sidi Kaouki, das kleine vom Wind verwöhnte Dorf südlich von Essaouira und nördlich von Agadir, hält was es verspricht: zahlreiche windige Tage für Segel bis 4.7 m2 sowie – einen schönen Swell vorausgesetzt – richtig hammergeile Wellen bis ca. 3 Meter.
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Genau das konnte man hier die letzten Tage erleben – ein Swell wurde schon vor ein paar Tagen durch „Windguru“ gross angekündigt und aus einer Prognose wurde dann glücklicherweise auch Realität. 4.2er Segel wurden ordentlich durchgezogen und die kleinen Wave-Hobel bereitgestellt. Direkt vor dem „Marabou“ – ein kleines Mausoleum für einen verstorbenen Heiligen, wo es heute noch Sitte ist, dass man die ersten Haare eines Kleinkindes dort schneiden soll, damit das Leben des kleinen Sprösslings auch richtig gedeiht – laufen die Swell-Wellen am schönsten rein. 5 Turns und mehr bilden keine Ausnahme sondern werden schnell zum Standart und versprechen ein Glücksgefühl im Leben eines Windsurfers, welches man zu gerne jeden Tag hätte.
Mutige Windsurfer tasten sich bis nahe zum Strand vor, wo dann aber die Wellen nicht selten close out brechen und dem einen oder anderen einen schönen Waschgang bescheren. Aufgepasst vor dem „Marabou“, dort liegt das einzige Riff weit und breit – wer aber auf die Gezeiten schaut, dem wird nichts passieren. Sollte man einen Fotografen dabei haben, so sei ihm der Logenplatz beim „Marabou“ empfohlen, einen schöneren Platz um die Action auf dem Wasser aufzunehmen gibt es wohl kaum.
Ausgangspunkt für die täglichen Surfsessions bildet die Surfstation vom „Saison-Marokkaner“ Felix – ein Münchner, welcher sein Traum hier verwirklicht und eine sehr kultige und stylische Station aufgestellt hat. Als Schweizer Berichterstatter freut es mich natürlich, dass er während den Wintermonaten Marokko den Rücken zukehrt und im Schweizer Skiparadis Laax als Skilehrer den Wüstensand gegen Pulverschnee eintauscht. Jeweils im April zieht dann aber die „Münchner Karawane“ wieder weiter nach Marokko, neue Hot Sails Maui-Segel und Starboard-Bretter werden mitgebracht und die Station auf Hochglanz poliert. In dieser Zeit wird Sidi vornehmlich noch durch schöne Wellensets und eher mässigem Wind heimgesucht. Später dann in den Sommermonaten kehrt es – die Winddüse dreht voll auf, während die Wellen kleiner und seltener werden – die Ausnahme bilden die Swells, welche von Zeit zu Zeit den Windsurfern und Surfern hier ein Geschenk des Himmels machen (siehe erster Abschnitt).
Wer nicht mit dem eigenen Auto nach Marokko reist, dem sei hier gesagt:
Anreise: Flüge nach Casablanca, Agadir und Essaouira (falls Essaouira möglich, unbedingt Essaouira auswählen – man spart Zeit und Taxikosten). Falls von Casablanca kommend empfiehlt sich der Bus, welcher jedoch auch entsprechend viel Zeit bis nach Essaouira benötigt. Wer in Agadir landet nimmt sich am besten ein „Grand Taxi“ – Kosten zwischen 600 und 1000 Dirham (zwischen 60 und 100 Euro) fallen dann aber diskussionslos an.
Unterkunft: Man kann Felix anfragen, ob er günstige Uebernachtunsmöglichkeiten hat. Mit ein bisschen Glück und wenig Komfort-Anspruch kann man so für wenige Euros nächtigen. Wer lieber seine eigene Toilette und Dusche wünscht, der kann in den umliegenden Hotels für ca. 200 bis 300 Dirham (Preis pro Zimmer) eine nette Bleibe finden. Ich selbst war im „La Pergola“ in einem Zimmer für 200 Dirham (ca. EUR 18.00) die Nacht – täglich sauber gemacht mit funktionierender Dusche und Toilette, inklusive Frühstück.
Surfmaterial: kann man bei Felix mieten (Hot Sails Maui-Segel und Starboard-Bretter). Ebenfalls gibt’s Wellenbretter für Anfänger und Fortgeschrittene. Desweiteren besteht die Möglichkeit für ein Entgelt sein Material in der Surfstation einzulagern – dies empfiehlt sich vor allem für Leute, welche kein Mietauto haben und das eigene Mato mit dem Taxi vom Flughafen zur Station bringen lassen.
Segel- und Boardreparatuen: gibt es in Essaouira. Fragt Felix oder Yassin (Surf- & Kiteinstruktor) nach der Adresse.
Surfmato (für einen 75kg Windsurfer): Brett um die 76 Liter, Segel 3.7 bis 4.7, Ersatzmasten, Langbein-Neo mit Kurzarm oder Shorty (brrr..). Surfschuhe sind vor allem in Moulay zu empfehlen, denn in Sidi und Essaouira gibt’s fast ausnahmslos nur Sandstrand. Evtl. Helm wegen Sonnenstich.
Surfspots: am besten schaut Ihr im European Windsurf- and Kiteguide selbst nach, besser kann man die Spots nicht beschreiben. Die wichtigsten sind auf jeden Fall Sidi Kaouki (am meisten Wind), Essaouira (böig, wenig Welle, eignet sich auch für Anfänger) und Moulay (Wavespot, aufgrund des kleines Einstieges sowie dem überfüllten Spot nur Fortgeschrittenen zu empfehlen). Es gibt noch einige Spots dazwischen bzw. in weiterer Ferne, doch peilt man diese nur sehr selten an und eignen sich vor allem für Reisende, welche mit dem eigenen Auto unterwegs sind.
Food: Den Scheisser bekommt man sowieso, also spielt’s wohl nicht so eine grosse Rolle, wo man sich verköstigt. Burgers, Spaghetti aber auch Tagine (marokkanische Speise) kriegt man in Sidi bei Felix’s Surfstation, günstig und gut isst man auch beim nur wenige Meter entfernten „Dorfplatz“. Achtung: kein Leitungswasser trinken! Kauft das Wasser beim Dorfplatz oder bei der Surfstation und trinkt viel!!! Der Sonnenstich kommt schneller als man denkt…Selbstverständlich gibt es zahlreiche Restaurants in Essaouira – vor allem in der „Medina“ (Altstadt), wo man ebenso zu sehr günstigen Preisen gut und viel essen kann.
Medizin: Unbedingt dabei sein müssen Antibiotika (Cipro 250mg), Salzlösung bei Durchfall (enthält alle nährwerten Stoffe, welche man infolge Appetitlosigkeit nicht zu sich nimmt), Immodium (so lässt es sich auch bei Durchfall surfen…), Jod oder Desinfektionsmittel, Verbandzeug, Gelenk- und Muskelverletzungsgel (Perskindol, Tul-X, etc.), Kopfwehmittel (gegen Kopfweh egal welcher Herkunft) und ganz wichtig: Unbedingt sich gegen Starrkrampf (Tollwut) impfen lassen (es gibt viiiiiiiiiiiele gefrässige Hunde…!!). Natürlich darf ein geeigneter Sonnenschutz nicht fehlen – infolge des starken Windes spürt man die Sonnenstärke meist gar nicht. Solltet Ihr vom St. Peter-Fisch gestochen werden (Fisch mit Stachel auf dem Rücken), keine Angst, Ihr sterbt trotz den ungeheuren Schmerzen nicht, aber auch nur, wenn Ihr sofort den Fuss in einen Eimer mit heissem Wasser taucht. Langsam langsam verlassen Euch dann die Schmerzen wieder… Für Platzwunden oder gröbere Verletzungen gibt’s es Aerzte und Spital in Essaouira – in Sidi selbst gibt es ausser ein paar Verbandskästen nichts.
Bekleidung: Normalerweise genügen Shorts und T-Shirt tagsüber sowie lange Hosen und Pullover am Abend. Eine Windjacke für Starkwind-Nächte kann nicht schaden, wird aber eher selten gebraucht. Wer im Atlasgebirge eine Wanderung machen möchte, der sollte unbedingt Trekkingschuhe mitnehmen. Waschmöglichkeiten für Langzeitaufenthalter gibt’s in Essaouira. Vor wenigen Tagen (August 2007) hatten wir hier eine krasse Hitzewelle erlebt, tagsüber 48 Grad, in der Nacht 38 Grad – da fragt man sich dann, weshalb man all die Pullover und langen Hosen mitnimmt, doch keine Sorge, wenige Tage später ist man wieder froh darum!
Transportmöglichkeiten: wer nicht mit dem eigenen Auto unterwegs ist, reist am besten mit dem „Lima Bus“ oder dem „Grand Taxi“. Der Limabus fährt im Durchschnitt alle 2 Stunden von Sidi Kaouki nach Essaouira und zurück und kostet 6 Dirham. Achtung, unbedingt in der Surfstation nach dem letzten Bus fragen, da im Anschluss an den letzten Bus die Taxipreise von Essaouira nach Sidi entsprechend teurer werden (die wissen dann eben, dass man nur noch die Möglichkeit des Taxis hat, um wieder zurück nach Sidi zu kommen…). Die „Grand Taxis“ sind meist schrottreife blaue Mercedes-Limousinen, wo man bis zu 7 Personen reinwürgen kann. Normalerweise kostet eine Fahrt von Sidi nach Essaouira 100 Dirham, kriegt man jedoch das Taxi voll (Fahrer plus 6 Fahrgäste) kommt man mit ein wenig Glück für 10 Dirham pro Nase davon. Das lohnt sich alleweil, denn das Taxi ist um einiges schneller als der „Lima-Bus“.
Internet: nur in Essaouira möglich, dafür jedoch an zahlreichen Ecken. Wer den eigenen Notebook dabei hat kriegt kostenloses Internet bei der Mistral Windsurfstation in der Bucht von Essaouira. Im Internet-Café kostet eine Stunde zwischen 6 und 10 Dirham (EUR 0.50 bis 0.90).
Geld / Währung: 10 Euro = ca. 110 Dirham (Stand August 2007). Bancomaten gibt es in Sidi Kaouki keine, dafür zahlreiche in Essaouira. Praktisch überall kann man auch mit Euro bezahlen, doch muss man evtl. Abschläge bei der Kursumrechnung in Kauf nehmen.
Ausflüge: keine Ahnung, musste immer surfen oder chillen. Vom hören sagen sicherlich Marrakesch (grosser Markt) sowie das Atlasgebirge mit den scheinbar sehr schönen Wasserfällen.
Für weitere Informationen:
Dominik (Bombo): bombo@soulrider.com
Felix (Surfstation) www.sidi-kaouki.com
Thierry (Hotel La Pergola) www.pergola-maroc.com
August, 2007
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