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Interview mit Karin Jaggi
05.09.2005
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Zu einer grossen Windsurf-Homepage gehört mindestens auch ein Interview mit der "grössten" Windsurferin der Schweiz - Karin Jaggi (Z-14).
Nachdem Karin in Silvaplana ihren 15. WM-Titel mit nach Hause nehmen durfte, stellte sie sich den Fragen unseres Reporters Nick Binder (Bombo).
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Silvaplana 2005 |
Karin, herzliche Gratulation zu Deinem 15. WM-Titel und zugleich Deinem 1. WM-Titel im Land der Eidgenossen. Alle fragen Dich, wie Du Dich fühlst - wir wollen von Dir wissen, wie Du Dich gefühlthättest, wenn der Titel nicht auf Dein Konto gegangen wäre.
Karin: Sehr schlecht. Man glaubt es kaum aber ich war richtig nervös vor dem Wettkampf. Im ersten Heat bin ich dann auch entsprechend schlecht gefahren... Unglaublich wie man sich noch nach 12 Profijahren so aufführen kann. Bis zum Finale hab ich's dann aber ganz ok hingekriegt. Verlieren wäre wirklich ein Weltuntergang gewesen!
Das Warten auf den Wind in Silvaplana gehörte (leider) mal wieder zum Tagesprogramm. Was hast Du in dieser Zeit gemacht, sodass Dein Tag erfüllt und "erfolgreich" war?
Karin: Na ja, in Silvaplana ist das Warten ja nur halb so schlimm. Erstens kommt man eh meistens nicht gerade früh ins Bett und ist ganz froh morgens ein Stündchen länger schlafen zu können. Und zweitens gibt's ja immer endlos zu tun. Da oben treffe ich immer meine alten Windsurffreunde und bringe meisten gleich noch ein paar weitere aus Übersee mit. Der internationale Austausch inklusive Sightseeing füllt jeweils die Wartezeit mehr als aus. Und dazu kam dieses Jahr beträchtlich "Medien-Arbeit". Ich habe wohl noch nie so viele Interviews in einer Woche gegeben. |
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Bombo:
Aus anderen Interviews wissen wir von Dir, dass der Silvaplaner See für Dich zu den schönsten Seen in der Schweiz gehört. Welchen Surfspot auf der Welt nennst Du "Dein Traumrevier"? Weshalb?
Karin: Westaustralien. Weil da einfach alles stimmt: die Windsurfbedingungen, die Leute, die Landeskultur.
A propo Schweiz: Gehst Du in der Schweiz vorwiegend alleine Surfen oder mit wem verbringst Du dann die Zeit auf dem Wasser?
Karin: Wenn ich von Bern aus starte versuch ich erst mal wieder einmal einer meiner 2 Brüder zu aktivieren. Und ansonsten wird's wohl meistens mit Patrik oder Dani oder der Urnerseeclique sein. |
Silvaplana 2005 |
Du könntest einen ganzen Reisekatalog mit gesurften Spots füllen. Welchen Ort auf der Welt gibt es, wo Du gerne einmal surfen würdest? Warum warst Du noch nicht dort?
Karin: Cocos Islands (nordwestlich von Australien). Da soll es super Bedingungen für Freestyle und Welle zugleich haben. Und dazu perfekte Wellenreitspots. Warum ich nicht dort war? Weil es ein Sommerrevier ist (Juni-September) - und da bin ich seit 12 Jahren jeweils fest am "Arbeiten" in Europa. Sommertrips liegen einfach nicht drin. Aber in meinem ersten Sommer nach meiner Profikarriere gehe ich da als allererstes hin!
Dunki, Naish, etc. gondeln in "the search" von einem Traumspot zum anderen. Werden wir Dich auch bald in einem solchen Film zu sehen bekommen oder ist das mehr Marketing für die jeweiligen Pros?
Karin: Du meinst so auf "Pensionisten-Tour"? Ja mach ich dann vielleicht auch einmal. Solche Trips lohnen sich nicht und sind nur schwer mit der Worldtour zu verbinden. Deshalb wart ich lieber noch ein Bisschen - und wahrscheinlich komm ich dann nicht mehr so weit, weil ich ja doch nicht gerade soviel Kohle gemacht habe wie Naish, Dunki und Co. Aber ich kann auf keinen Fall klagen - mein Job ist und bleibt mein Traumjob.
Surfer(innen) sprechen nicht gerne über ihre Zukunft. Trotzdem möchten wir von Dir wissen, wo Du Dich in 20 Jahren siehst (Boarddesignerin, Marketing, Verkauf, etc) und gibt es das Wort "Pensionierung" in Deinem Leben überhaupt?
Karin: Wettkämpfe werde ich kaum mehr fahren. Aber surfen bestimmt noch! Ich würde auch gerne etwas in der Szene bleiben. Parallel zu meiner Profi-Karriere hab ich Betriebswirtschaft studiert. Das lässt sich bestimmt irgendwie verbinden. Nur im Moment ziehe ich halt den Gabelbaum noch dem Kugelschreiber vor und werd noch ein Bisschen rumtouren. |
Kürzlich konnte man von Deinen Wellenreit-Träumen in Hawaii lesen. > Möchtest Du Dich tatsächlich irgendwann ohne Segel in die Monster-Brecher von Jaws wagen? Erzähl uns von diesem Gefühl, was Dich so süchtig nach diesem Abenteuer macht.
Karin: Ich hab vor einigen Jahren mit dem Towin-Surfen angefangen. Für mich ist es mein liebstes Hobby geworden und ich bin definitiv süchtig nach "big waves". Der Jetski hat mir etwas ermöglicht was ich sonst nie im Leben erreicht hätte. Ein "big wave Wellenreiter" wäre ich nie mehr geworden. Aber so konnte ich auf der Überholspur Wellenreiten ohne Segel lernen. Ich glaube es ist wie beim Windsurfen: es ist das Naturerlebnis das süchtig macht. Der Wind ist ein Element - Wellen das andere. Eine unglaubliche Kraft und Schönheit in einem. |
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| Fuerte 2004 - pic by Dave White |
Wie sicherst Du Dein Einkommen, wenn Dich eine Verletzung über längere Zeit "ausser Gefecht" setzt? Denkt man als Profi überhaupt an dieses Szenario?
Karin: Ich hab immer an ein Leben nach dem Windsurfen gedacht. Deshalb hab ich auch ein Studium per Fernuni abgeschlossen. Aber ich bin auch kein ängstlicher Mensch. Wer nicht wagt kann nicht gewinnen. Als guter Schweizer bin ich natürlich gegen das Gröbste versichert. Sollte ich mich jedoch mal wirklich verletzten, dann werd ich eben was anderes finden. Dann wäre es eben Zeit für eine neue Herausforderung. Das ist kein Alptraum für mich. |
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| Masters of Speed 2004 - pic by Dave White |
Surfen beansprucht viele Muskelgruppen und erfordert Kondition. Was tust Du, um diesen Anforderungen gerecht zu werden? Gibt es ein Ernährungs-Tip von Dir?
Karin: Das Beste ist: surfen gehen. Aber das geht natürlich nicht immer. Deshalb mache ich alle möglichen anderen Sportarten. Bei den meisten steht jedoch der Spass im Vordergrund. Das erweitert zugleich das Bewegungsvermögen und die Koordination. Gegen Verletzungen ist Streching absolut unerlässlich. Und "auf den Körper hören". Ich glaube das gelingt mir ganz gut. Ich habe Tage wo ich mich kaum traue einen Vorwärtsloop zu springen und andere wo ich absolut unsterblich bin und einfach alles probiere. Bei der Ernährung halte ich es ähnlich: mein Körper weiss genau was er braucht. Allerdings habe ich da eine gute Ausgangslage weil ich fettiges oder zu süsses Essen überhaupt nicht mag.
Freundschaften sind wichtig im Leben. Gibt es für Dich auch Freundschaften ausserhalb der Surfszene und wie pflegst Du diese?
Karin: Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich immer weniger Freunde ausserhalb des Windsurfens habe. Erst hat mich das beschäftigt - heute hab ich mich damit abgefunden. Surfen ist schlicht mein Leben - ich bin nonstop in Sachen Windsurfen unterwegs. Ich glaube Surfer sind sehr individuelle und sehr interessante Persönlichkeiten. Ich habe nun einige sehr gute Freunde in der Surfszene. Und ich bin mir sicher, dass wir für ewig gute Freunde bleiben werden - mit oder ohne surfen.
Der Sommer verabschiedet sich hierzulande bald, in Silvaplana hat es sogar einmal kurz geschneit. Wie und wo verbringst Du Deine Weihnachten 2005?
Karin: Australien. Mein Lieblingsspot. |
Sehnst Du Dich nicht danach, einmal wieder mit einem Schlitten durch einen tief verschneiten Tannenwald zu fahren und die Kälte am ganzen Körper zu spüren? Anschliessend einen Glühwein zu trinken und sich die Hände vor dem Cheminée zu erwärmen?
Karin: Auf jeden Fall. Ich versuche auch immer einige dieser Tage zu erwischen. Klappt nicht immer - aber Seltenheit macht ein Ereignis eben noch wünschenswerter. |
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Karin Jaggi 1999 |
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F2 Sotovento |
Mit der Segel-Nummer "Z-14" bist Du für uns Surfer eine Schweizer Legende geworden. Warum aber zeigst Du nicht noch mehr Patriotismus und änderst die Nummer in "SUI 14"?
Karin: Kleb mal SUI-14 in ein 2.8-er Wavesegel und du weisst warum. Meistens benutze ich Segel kleiner als 5 Quadratmeter und da ist Z-14 eben viel passender. Dazu kennt man mich weltweit nun unter dieser Nummer. Und eigentlich mag ich die Frage "für was steht denn Z"...
Soulrider.ch steht für die grösste virtuelle schweizer Windsurf-Plattform. Schaust auch Du hin und wieder auf die Homepage und informierst Dich über aktuelles aus der CH-Windsurfszene?
Karin: Bin ein ganz miserabler virtueller Surfer. Liegt auch daran, dass ich selten eine gute Verbindung zur Verfügung habe. Aber ich hab schon ein paar Mal reingeschaut. Und ich finde es super dass es so eine gute Website für die Schweizer Szene gibt.
Der letzte Satz gehört Dir - was möchtest Du uns noch mitteilen?
Karin: Obwohl ich von Australien schwärme ist doch eine Surf-Session zu Hause der absolute Hit! |
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