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Dahab 2005

28.06.2005
Surfurlaub zu zweit?
Diese Problem kennt wohl jeder windsurfende Mensch,
ob weiblich oder männlich, der einen Partner hat, der entweder gar nicht oder deutlich schlechter surft als er selber. Wohin geht?s im Urlaub? Wie werden beide Partner glücklich, ohne dass es zwangsweise zu dicker Luft kommen muss? Hier kommt ein kleiner Vorschlag?
Dahab 2005 | Soulrider.com


Leider sind die meisten richtig guten Surfspots für wenig wassersportbegeisterte Begleiter kaum geeignet. Meist gibt es keine echten Beschäftigungsalternativen und die Bedingungen sind zu anspruchsvoll für Anfänger und Aufsteiger. Hinzu kommt noch, dass es meistens am Strand nicht so richtig gemütlich ist, wenn der Wind ballert. So sieht man an vielen Stränden immer wieder den einen Partner (oft die Freundin) mehr oder weniger gelangweilt im Auto sitzen, während sich der andere in den Wellen vergnügt. Resultat: Langeweile bei dem Einen und ein schlechtes Gewissen bei dem anderen? Was tun, sprach der Frosch??

Dieses ?normale? Problem einer jeden Surfer-Beziehung lässt sich vermutlich nur lösen, wenn beide bereit sind, Kompromisse einzugehen. Dazu gehört sicherlich auch, ein Reiseziel für den gemeinsamen Urlaub auszusuchen, an dem man gute Windsurfbedingungen und gleichzeitig noch ausreichend andere Möglichkeiten hat, sich gemeinsam die Zeit und insbesondere die windarme Zeit zu vertreiben.

Ein perfekt auf diese Ziele passender Urlaubsort liegt östlich vom Sinai, etwa eine Taxistunde nördlich von Sharm El Sheik, gegenüber der Küste Saudi-Arabiens. Der Name: Dahab- sicher kein Geheimtipp mehr für die windsurfende Welt, aber vielleicht auch ein guter Tipp für den weniger windsurfbegeisterten Partner.


Das nordöstliche Ägypten ist sehr anders als das touristisch weit besser erschlossene Westufer des Roten Meeres. Zunächst einmal gibt es in Dahab nicht die aus Orten wie Hurghada bekannten Zäune um die Touristen-Hotels- man kann sich prinzipiell vollkommen frei bewegen. Auch sieht man nicht an allen Ecken und Enden die meist schwer bewaffnete Touristen-Polizei. Das ist auch absolut nicht nötig. In Dahab und dem angrenzenden Ort Masbat, in dem man normalerweise wohnt und wo sich das Nachtleben abspielt, fühlt man sich absolut nie unsicher oder bedroht.

Es gibt keine großen Hotelburgen, die potenzielle Angriffsziele für Terroristen sein könnten, und die Ägypter sind allesamt freundlich, oftmals sehr aufgeschlossen und ?kontaktfreudig?. Die letztere Eigenschaft kann zwar durchaus ab und zu mal etwas anstrengend werden (mehr als 3 mal an einem Abend kann man wohl kaum eine Einladung zum Tee annehmen, und man kann auch nicht an einem einzelnen Abend in allen Restaurants essen gehen, auch wenn das manchmal etwas schwer zu vermitteln ist und auf Unverständnis stößt?), aber die extrem aufdringlich Art, wie man sie von Berichten über arabische Basare in Hurghada oder ähnlichen Orten kennt, ist den Ägyptern in Masbat fremd.



Ein weiterer großer Vorteil Dahabs ist das für Europäer fantastische Preisniveau. Wohnen für 10 ? p.P. im Doppelzimmer in guten Unterkünften (wenn man keine Luxushotel-Ansprüche hat, z.B. www.mirage.com.eg) inklusive Frühstück sind genauso wenig ein Problem wie abends für 2-3 ? je Nase (inkl. Getränke) essen zu gehen, 10 Minuten für 1 ? mit 8 Personen Taxi zu fahren oder Tauchgänge unter 20 ? zu machen.

Ach ja, Tauchgänge? Dahab ist ein absolutes Scuba- und Schnorchel- Paradies mit etwa 25 Diving Sites in der direkten Umgebung, die fast alle vom Land aus erreichbar sind- eine Bootfahrt ist meist nicht nötig. Direkt in Masbat gibt es bereits 5 gute Spots, an denen man schon mit dem Schnorchel alles sehen kann, was das rote Meer zu bieten hat- von Moränen über Rochen bis hin zu Schildkröten- und jede Menge kleine Nemos.

Dicht an den Windsurfstationen liegt das Napoleon Reef, eines der fantastischsten Schnorchel-Gebiete in ganz Ägypten. Das 0,5 m bis 1 m flache Riff beginnt etwa 5 m vom Strand entfernt und ist wirklich für jeden zu erreichen. Sehr bekannt und auf jeden Fall einen Tauch- oder Schnorchel-Trip wert ist das ?Blue Hole? ? ein gut 100 m tiefer Krater direkt an der Küste, der unter Tauchern berühmt und berüchtigt ist- einerseits wegen des fantastischen ?Marine Life?s? und der unglaublichen Wasserfarben, andererseits auch wegen des Nervenkitzels, denn kaum eine andere Diving Site hat bis zu einer Tiefe von 100 m keinen Boden?


Touristisch hat Dahab zugegebenermaßen nicht ganz so viel zu bieten, wie andere und größere Orte. Die Strandpromenade mit den Restaurants kann nach 2 Wochen schon etwas ?eintönig? und langweilig werden, andererseits findet man so schnell sein persönliches Lieblingsrestaurant. Als Tagestouren bieten sich Ausflüge in die Wüste oder zum Berg Sinai an. Hier ist es die größte sportliche Herausforderung, nachts zwischen 23 und 05 Uhr morgens den Berg zu erklimmen und morgens den Sonnenaufgang zu erleben. Ein absolut faszinierendes Erlebnis, aber man muss schon einigermaßen gut zu Fuß sein für den 4-stündigen und steilen Aufstieg. Wem die Tour zu anstrengend ist, der kann sich allerdings auch auf den Rücken eines Kamels setzen und sich den Berg hinauf tragen lassen. Es lohnt sich in jedem Fall! Auch eine Nacht in einer der Oasen in der näheren Umgebung Dahabs mit Beduinen-Dinner sollte man sich nicht entgehen lassen- besonders wegen des unglaublichen Sternenhimmels. Jeder dieser Ausflüge kostet zwischen 10 ? und 15 ? pro Person- wirklich verkraftbar?
Oh? und dann ist da noch etwas? das Windsurfen?: Die beste Windzeit in Dahab ist unser Sommer. Aber auch in der Nebensaison kann man locker eine Ausbeute von 60 ? 70 Prozent erreichen. Dabei ist von 4 bis 9 Bft. alles drin.


Die Bucht von Dahab ist mittlerweile von Windsurfstationen äußerst gut erschlossen. Alle namhaften Firmen sind vertreten und bieten alles erdenkliche und auf dem Markt vorhandene Material an- allerdings zu ?normalen? und europäischen Preisen. Innerhalb der Lagune ist der ablandige Wind ein wenig böeig, dafür gibt es auf dem Wasser nur kleinste Unebenheiten. Zudem fühlt man sich sehr sicher, da die Bucht fast komplett durch die vorgelagerte Landzunge abgeschlossen ist.

In Ufernähe ist das Wasser immer nur stehtief, so dass man jederzeit eine kleine Pause einlegen und etwas Kraft tanken kann. Steine gibt es übrigens kaum, und wenn man sich von den markierten Gebieten fern hält, hat man auch mit Korallen und Seeigeln kein Problem. Zusätzlich stehen 2 Foto- und Schulungstürme bereit, die von jedem genutzt werden können. Für absolute Anfänger ist das Revier wegen des ablandigen Windes nicht ganz optimal, aber dafür kann man auch bei 6 Bft. noch entspannt am Strand in der Sonne liegen.


Fährt man um die Landzunge herum nach Lee, gelangt man in das ?Speedy? genannte Revier. Hier wird der Wind deutlich konstanter und meist auch etwas stärker. Je weiter man nach Lee fährt, desto größer wird auch der Chop, so dass man vom Spock bis zum Frontloop perfekte Trainingsbedingungen findet. Zudem ist es im Speedy immer deutlich leerer als in der Bucht, so dass man auch in der Hauptsaison platz findet, um entspannt surfen zu können. Aus dem Speedy führt ein kleiner Channel durch das Napoleon Reef in das ?offene? rote Meer, in den Golf von Aquaba.

Hier findet man an guten Tagen eine runde Dünungswelle mit beachtlicher Höhe- eine ganz nette Abwechslung, wenn man mal vom Flachwasser genug hat. Einen ?echten? Wavespot gibt es allerdings nicht in Dahab. Das absolute Highlight ist die ?Baby Bay?- diese liegt vom Speedy aus ein kleines bisschen in Luv. Die Baby Bay ist eine traumhafte kleine Bucht mit türkisem Wasser, die übrigens auch zum Schnorcheln einlädt. Der Wind weht direkt ablandig, wird aber durch nichts aufgehalten, so dass er recht konstant ankommt. Das Wasser wird auf wenigen Metern sehr tief, so dass man fast mit einer Hand im Sand am Strand entlang knallen kann und in absolutem Flachwasser Trainingsbedingungen wie im Labor findet. Ein absoluter Freeride- und Freestyle-Traum!


Und sonst noch? Das Wetter am Sinai ist ein Traum, die Ägypter freundlich und aufgeschlossen und die ganze Atmosphäre ist extrem ?laid back? und relaxed- perfekt für jeden, der nicht auf Massentourismus steht und im Urlaub das Windsurfen und einen weniger wassersportbegeisterten Partner unter einen Hut bringen will. Und das nur 4 Stunden von Deutschland entfernt?

Text by Flo (G-783)

Thanx to my Sponsors:
Hifly, Sailloft Hamburg, Alien Riders, Pro Limit, Tekknosport, Windsurfingclub Dümmersee.


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