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Alle Surftrips
Hurghada im Winter
Dass der vorherrschende Nordostwind am Roten Meer ein Passatwind ist, der durch Wüsten und Gebirge verstärkt sowie in der Richtung im Tagesverlauf beeinflusst wird, kann man in fast jedem Surfbericht zu dieser Region nachlesen. Wenn der Wind aber nicht weht, oder aus der falschen Richtung bläst, so weiss das eigentlich keiner so recht logisch zu deuten. Zumindest das Fehlen des Windes lässt sich durch grossräumige Wetterzonen weiter im Norden erklären, die den Passatgürtel verschieben, ähnlich wie auf den Kanaren. Bei meinem vierten Aufenthalt am Roten Meer, diesmal im riesengrossen, oder besser, riesenlangen Hurghada (35 km Hotelanlagen, 60'000 Einwohner, wobei vermutlich die Hotelgäste nicht mitgezählt sind), war offensichtlich die Wettersitiuation ganz aussergewöhnlich. Auf zwei Tage mit gemütlichem Nordostwind folgte eine zweitägige Windpause, gefolgt von einem schönen Tag mit Nordostwind fürs 5er oder 6er Segel. Anschliessend wieder 2 Tage Wind für die grossen Segel (8.1) aus der Gegenrichtung – auflandig. Danach dann die grösste Ueberraschung; vier Tage ohne Wind bei Dunst oder Nebel (oder Sand?), teilweise so stark, dass die Touristenboote nicht auslaufen konnten. Am Abreisetag legte dann der Nordostwind wieder richtig los und erschwerte den Abschied.
Surfen ist in Hurghada fast genauso schön wie beispielsweise in Dahab, allerdings sind die Stehreviere in der Regel recht kurz und auch superflache Speedpisten sind eher selten oder durch die Hotelhindernisse unregelmässig belüftet (erinnert an Martigny). Je nach Lage der Surfstation ist man direkt am Wind, so bei den meisten grösseren Stationen, oder muss sich, wie ich, zwischen Hindernissen – Yachten und deren Taue und Bojen – aufs offene und regelmässig belüftete Wasser hinausmanövrieren (und zurück auch, meist mit Gegenwind!). Ich hatte mich entschieden, die Wahl der Surfstation erst vor Ort zu treffen, möglichst nahe beim Hotel, um den Schleppern und den hupenden Sammeltaxis auf der Strasse auszuweichen. Im Hotel selber gabs nur Material fürs Museum, doch daneben im Giftun eine nette kleine Station mit neuerem und neustem Material, aber eben mit den erwähnten kleinen Nachteilen.
Mit kleineren Tüchern hatte ich mir die Perfektion der Duck Jybe und die Push Tack vorgenommen. Dazu kam es leider nicht, so konzentrierte ich mich aufs Heizen mit Hornet’s zwischen 134 und 154 lt mit grossen Segeln. Für die Schwachwindtage hatte ich mir die neusten Moves vorgenommen, Weirdo (Spinloop aus Verdrängerfahrt) und Gecko (Schwachwindflaka), oder zumindest die Vorübungen dazu, nämlich Schwachwindsurfen in beiden Schlaufen und den Luvdreisechziger (Donut), in beiden Schlaufen. Beides gelang gelegentlich mit dem passenden Material, wobei ein Donut bei Fastnullwind auf einem nicht sehr drehfreudigen Brett schon eine recht grosse Herausforderung darstellt.
Surfer waren erstaunlich wenige da, vielleicht auch, weil sie sich auf einen so riesigen Küstenstreifen verteilen. Aber auch bei zwei Ausflügen mit dem Schiff sah man bei der grossen Station von Thomy Friedl fast nur Kiter und auch bei der schönen Anlage von El Gouna (ca. 25 km nördlich von Hurghada) waren mehr Kiter als Surfer (bei moderatem Wind) zu sehen. Erstaunlich auch, dass ein Gratisangebot zu einem täglichen Schnupperkurs Windsurfen in unserem Hotel kaum Erfolg hatte; geschätzte 2 Interessenten pro Woche.
Offensichtlich konzentrieren sich die meisten Gäste aufs Nichtstun an der Sonne, Essen Trinken, ein bisschen Schwimmen und gelegentlich einen Ausflug zum Schnorcheln. Dazu ist Hurghada besonders zu empfehlen, denn Riffe gibt es unendlich viele. Nur wenige nahmen an den angebotenen Aktivitäten des Animationsteams teil; Sonne tanken scheint das oberste Ziel der meisten Besucher am Roten Meer.
Hurghada ist aber jedenfalls in, es herrscht Bauwut in der zweiten Reihe, wo man sich einen Zugang zum Meer gar nicht mehr vorstellen kann. Man hört von intensivem Nachtleben und tollen Discos, aber darüber kann ich gar nichts erzählen, denn wie der Reiseveranstalter in der Broschüre so schön sagt; für die älteren Leute findet das Nachtleben vorwiegend im Hotel statt. Heinz Beck
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